Datengrafik

Drei von vier neuen Fachärzten in Frankreich rechnen über dem Kassentarif ab

74 Prozent der neuen Fachärzte in Frankreich rechnen über dem Kassentarif ab, 2000 waren es 37. Die Patienten zahlen 4,3 Mrd. Zur Analyse →

Balkendiagramm des Anteils französischer Fachärzte im secteur 2, die über dem Kassentarif abrechnen dürfen. 37 Prozent im Jahr 2000, 56 Prozent im Jahr 2024, und 74 Prozent unter den 2024 neu Niedergelassenen. Honorarüberschreitungen 2024: 4,3 Milliarden Euro.

1980 schuf Frankreich den secteur 2. Ärztinnen und Ärzte durften seitdem über dem Kassentarif abrechnen, die Patienten tragen die Differenz. Gedacht war das als Ausnahme für wenige.

Die Grafik zeigt, was daraus wurde. Im Jahr 2000 rechnete gut ein Drittel der Fachärzte so ab. 2024 ist es die Mehrheit. Und unter denen, die sich neu niederlassen, sind es 74 Prozent. Der Wert steigt weiter, weil jede neue Arztgeneration ihn nach oben zieht.

In Euro sind das 4,3 Milliarden im Jahr 2024, allein bei den Fachärzten. Rechnet man die Allgemeinmediziner dazu, sind es 4,5 Milliarden. Seit 2019 wächst diese Summe real um 5 Prozent pro Jahr, davor waren es 2,7 Prozent.

Entscheidend ist, wer das trägt. Zusatzversicherungen decken einen Teil, aber nach ihrem Eingreifen bleiben laut dem Rat für die Zukunft der Krankenversicherung immer noch über 60 Prozent der Aufschläge beim Patienten. Wer eine gute Zusatzversicherung hat, zahlt wenig. Wer keine hat, zahlt voll.

Das Bemerkenswerte daran: Der offizielle Tarif wurde nie angetastet. Auf dem Papier ist die französische Krankenversicherung universell und für alle gleich. Die Zweiteilung entstand nicht durch eine Reform der Leistungen, sondern dadurch, dass immer mehr Ärzte den Status wechselten, der ihnen freie Preise erlaubt.

Deutschland kennt keinen secteur 2. Die Trennung läuft hier über zwei Versicherungssysteme mit zwei Gebührenordnungen, was für Ärzte einen ähnlichen Anreiz erzeugt. Wie groß dieser Unterschied ist, zeigt die Analyse zu privater und gesetzlicher Krankenversicherung.

Die Zahlen stammen aus dem Bericht des Haut Conseil pour l’avenir de l’assurance maladie vom Oktober 2025. Alle Anteile gelten für Ärzte ohne Allgemeinmediziner, weil diese kaum im secteur 2 sind. Wie das französische System insgesamt funktioniert, steht im Systemvergleich Frankreich.


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Anteil der Ärzte im secteur 2 in Frankreich, jeweils ohne Allgemeinmediziner. Quelle: HCAAM, Les dépassements d’honoraires des médecins, Oktober 2025, Daten CNAM.
Gruppe Jahr Anteil im secteur 2
Alle Fachärzte 2000 37 %
Alle Fachärzte 2024 56 %
Neu niedergelassene Fachärzte 2017 64 %
Neu niedergelassene Fachärzte 2024 74 %
Honorarüberschreitungen Fachärzte 2024 4,3 Mrd. Euro
Honorarüberschreitungen alle Ärzte 2024 4,5 Mrd. Euro
Reales Wachstum je Jahr seit 2019 +5 % (2010 bis 2019: +2,7 %)
Anteil, der beim Patienten bleibt nach Zusatzversicherung über 60 %

Was ist der secteur 2 in Frankreich?

Der secteur 2 ist ein Zulassungsstatus für französische Ärztinnen und Ärzte, der ihnen erlaubt, über dem Tarif der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen. Die Differenz, dépassement d’honoraires genannt, zahlen die Patienten selbst oder ihre Zusatzversicherung. 1980 als Ausnahme eingeführt, umfasst der secteur 2 heute 56 Prozent aller Fachärzte und 74 Prozent der neu Niedergelassenen. 2024 summierten sich die Aufschläge auf 4,3 Milliarden Euro bei Fachärzten, über 60 Prozent davon blieben nach Eingreifen der Zusatzversicherung bei den Patienten. Quelle: HCAAM-Bericht vom Oktober 2025.


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Andrey Belkin
Andrey Belkin
Gründer und Autor von Gegenbefund
Andrey Belkin ist Chemiker (M.Sc., Universität Stuttgart), arbeitet in der Pharmaindustrie und analysiert auf Gegenbefund mit eigenen Datenauswertungen, warum Deutschland Premiumpreise für durchschnittliche Gesundheitsergebnisse bezahlt.