Deutschland bezahlt Premiumpreise für durchschnittliche Gesundheit
12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 492 Milliarden Euro im Jahr 2023. Nur die USA geben einen größeren Anteil ihrer Wirtschaftsleistung für Gesundheit aus. Das Ergebnis für Patienten: Mittelmaß.
Die Grafik zeigt den BIP-Anteil der Gesundheitsausgaben im Ländervergleich. Deutschland liegt auf Platz zwei oder drei weltweit, je nach Berechnungsmethode. 3,4 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt von 9,3 Prozent. Das klingt nach wenig. Umgerechnet in Euro sind 3,4 Prozentpunkte des deutschen BIP rund 140 Milliarden Euro pro Jahr. So viel Geld trennt Deutschland vom Durchschnitt.
Für dieses Geld müsste das System überdurchschnittliche Ergebnisse liefern. Tut es aber nicht. Die Lebenserwartung liegt mit 81,3 Jahren exakt auf OECD-Niveau. Die Schweiz investiert 11,7 Prozent des BIP und erreicht 83,6 Jahre. Japan gibt 10,9 Prozent aus und kommt auf 84,1 Jahre. Die Niederlande liegen ebenfalls bei 10,9 Prozent, landen aber im Commonwealth Fund Ranking 2024 auf Platz zwei. Deutschland: Platz neun von zehn.
Was bedeutet das konkret? Jeder Arbeitnehmer zahlt inzwischen durchschnittlich 17,1 Prozent seines Bruttoeinkommens an die Krankenkasse. Bei einem Bruttoeinkommen von 4.000 Euro monatlich sind das 684 Euro, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Der IGES-Prognose zufolge werden es bis 2035 zwischen 19 und 21 Prozent sein. Wer immer mehr abgibt, darf fragen, welche Gegenleistung das System liefert.
Das Problem ist nicht zu wenig Geld. Deutschland hat 4,7 Ärzte pro 1.000 Einwohner (OECD: 3,9), 7,8 Krankenhausbetten (OECD: 4,2) und 13 Pflegekräfte pro 1.000 Einwohner (OECD: 9,2). Was fehlt, ist Effizienz. Die strikte Sektorentrennung zwischen ambulant und stationär, fehlende Gatekeeping-Strukturen und ein Digitalisierungsrückstand, den McKinsey auf 42 Milliarden Euro Einsparpotenzial pro Jahr beziffert.
Daten: OECD Health at a Glance 2025. Laufende Gesundheitsausgaben als Anteil am Bruttoinlandsprodukt, 2023/2024 (teilweise provisorisch).
Diese Grafik gehört zu unserer Analyse des deutschen Gesundheitssystems.
Warum Deutschland Premiumpreise bezahlt und trotzdem nur Platz 9 von 10 erreicht: