Datengrafik

Gesundheitsausgaben vs. Lebenserwartung: OECD-Ländervergleich 2024

Streudiagramm der Gesundheitsausgaben als BIP-Anteil im Vergleich zur Lebenserwartung für 15 OECD-Länder – Deutschland liegt mit 12,7 % BIP und 81,3 Jahren Lebenserwartung weit rechts vom OECD-Durchschnitt, während Japan, die Schweiz und Australien mit niedrigeren Ausgaben eine höhere Lebenserwartung erreichen.

Jede dritte Einweisung wäre vermeidbar gewesen

810 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner, die ambulant hätten behandelt werden können. In den Niederlanden sind es 280. In Dänemark 310. Der OECD-Schnitt liegt bei 473. Deutschland übertrifft ihn um 71 Prozent.

Die Grafik zeigt sogenannte ambulant-sensitive Krankenhausfälle: Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herzschwäche, die im Krankenhaus landen, obwohl eine Behandlung in der Arztpraxis ausgereicht hätte. Teurer, riskanter, belastender. Für das System und für die Betroffenen.

Die Ursache liegt nicht bei den Patienten. Sie liegt in der Architektur des Systems. Deutschland trennt ambulante und stationäre Versorgung so strikt wie kein anderes Industrieland. Patienten können ohne Überweisung direkt ins Krankenhaus gehen. Es fehlt eine verbindliche Lotsenfunktion durch Hausärzte, wie sie in den Niederlanden oder Dänemark selbstverständlich ist. Dort entscheidet der Hausarzt, ob ein Klinikbesuch nötig ist. In Deutschland entscheidet oft die Notaufnahme. Nachts um drei, weil die Praxis geschlossen hat.

Jede einzelne dieser vermeidbaren Einweisungen kostet das System zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Hochgerechnet ergibt das ein Einsparpotenzial im Milliardenbereich. Und gleichzeitig bessere Ergebnisse für die Patienten, weil ein Krankenhausaufenthalt für chronisch Kranke mehr Risiko als Nutzen bedeutet.

Die Niederlande zeigen, dass es anders geht. Und das nicht durch schlechtere Versorgung, sondern mit besserer Steuerung. Gatekeeping durch Hausärzte, integrierte Versorgungsprogramme für chronisch Kranke, digitale Vernetzung zwischen Praxis und Klinik. Das Ergebnis: ein Drittel der deutschen Einweisungsrate bei gleichzeitig höherer Lebenserwartung.

Daten: OECD Health at a Glance 2025. Ambulant-sensitive Hospitalisierungen, altersstandardisiert, pro 100.000 Einwohner.

Diese Grafik ist Teil unserer Analyse des deutschen Gesundheitssystems. Warum Deutschland 12,7 Prozent des BIP ausgibt und trotzdem nur Platz 9 von 10 erreicht. Mit allen Zahlen, Ursachen und internationalen Vergleichen:

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